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Ausstellung zum hundertjährigen Bestehen der graphischen Sammlung des Metropolitan Museum zur Ehrung der Gründungskuratoren

Mit Meisterwerken von Mantegna, Dürer, Rembrandt, Goya, Whistler, Cassatt, Daumier, Lautrec und Hopper 

Ausstellungstermin: 26. Januar bis 22. Mai 2016
Ausstellungsräume: The Charles Z. Offin Gallery, Karen B. Cohen Gallery,
Harriette and Noel Levine Gallery, 2. Stock, Räume 691 - 693
Vorschau für Presse: Montag, 25. Januar von 10 bis 12 Uhr

Die graphische Sammlung des Metropolitan Museum gehört heute zu den bedeutendsten und umfangreichsten Beständen ihrer Art in der Welt. Sie wurde vor 100 Jahren von zwei Männern gegründet, die keine formale kunsthistorische Ausbildung hatten.  Dennoch gelang es den beiden, herkömmliche Ansätze zu hinterfragen, das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken und das Studium dieser Werke zu revolutionieren. Mit der Ausstellung The Power of Prints: The Legacy of William M. Ivins and A. Hyatt Mayor wird jetzt das hundertjährige Bestehen der Sammlung gewürdigt. Sie illustriert die faszinierenden Werdegänge der beiden Gründungskuratoren und beschreibt, wie diese von Anfang an die Drucksammlung als visuelle Bibliothek auffassten: als ein Korpus mit Werken auf Papier – von Meisterwerken bis zur Gebrauchsgraphik. Zur Ausstellung über die Geschichte dieser einzigartigen Sammlung gehören Drucke von Andrea Mantegna, Albrecht Dürer, Marcantonio Raimondi, Jacques Callot, Rembrandt van Rijn, Francisco de Goya y Lucientes, Honoré Daumier, James McNeill Whistler, Henri de Toulouse-Lautrec, Mary Cassatt, Edward Penfield, Edward Hopper und vielen anderen. 

Diese Ausstellung wird von der Schiff Foundation finanziert.

1916 gab William Mills Ivins (1881 - 1961) eine erfolgreiche Karriere als Rechtsanwalt auf und übernahm die Stelle des Gründungskurators der graphischen Sammlung (Department of Prints) am Metropolitan Museum. Obwohl er die Anweisung hatte, Werke von bekannten Künstlern des 19. Jahrhunderts und alten Meistern zu sammeln, erwarb er auch viele Beispiele zu technischen, gesellschaftlichen und historischen Themen. Dabei setzte er sich auch für die Arbeiten von Francisco de Goya ein, dessen unkonventionelle und bisweilen schauerliche Darstellungen in den USA bis dahin nicht geschätzt wurden. Ivins sah Goyas Werke zum ersten Mal als Student in Paris. Dessen schonungslose Werke über den Krieg berührten ihn zutiefst und änderten sein Leben. Fast alle der insgesamt 300 Drucke von Goya – und damit eine der größten Goya-Sammlungen der Welt – wurden von Ivins erworben.  

Bevor er 1932 die Stelle am Metropolitan Museum annahm, hatte Alpheus Hyatt Mayor (1901 - 1980) Neuphilologie, Literatur und Dichtung studiert. Daneben war er auch als Kunstkritiker, Lehrer und gelegentlich als Schauspieler tätig. Wie Ivins war er äußerst bibliophil und hatte die unterschiedlichsten Interessen. Er war extrem wissensdurstig und hatte eine Leidenschaft für Sozialgeschichte. Ursprünglich sollte Mayor Ivins unterstützen, er setzte jedoch später dessen Vermächtnis mit einem neuen Schwerpunkt auf Lithographie und Gebrauchsgraphik fort. Damit setzte er sich für eine weniger eng gefasste graphische Sammlung ein und erwarb für das Museum einen der bedeutendsten Bestände der Gebrauchsgraphik der Vereinigten Staaten. Für Mayor waren diese Drucke des Alltags insofern von Bedeutung, weil sie gesellschaftskulturelle Inhalte vermittelten. Daneben erkannte er ihr zukünftiges Potenzial für Forschung auf unterschiedlichen Gebieten von Anthropologie bis Stadtplanung. 

Dem Weitblick von Ivins und Mayor ist es zu verdanken, dass die graphische Sammlung heute einerseits unzählige, einzigartige und kunsthistorisch bedeutende Meisterwerke umfasst und anderseits auch Drucke wie Poster und Sammelkarten berücksichtigte, die zwar hohe Auflagen hatten, aber nicht für einen längeren Zeitraum bestimmt waren. Mit ihrem Ansatz der zwanglosen Auseinandersetzung, der sich auch in ihren Beschreibungen dieser Werke findet, vermittelten Ivins und Mayor die in der Gebrauchskunst enthaltenen Informationen auf neuartige Weise. Auszüge der Schriften von Ivins und Mayor werden in der Ausstellung ebenfalls zu sehen sein. 

Zur Geschichte der graphischen Sammlung des Metropolitan Museum gehört auch eine Reihe von großzügigen Schenkungen und Neuerwerbungen von Kunstwerken. Die Schenkung von etwa 3500 Drucken von dem Papierhersteller Harris Brisbane Dick war der Anlass, Ivins mit der Pflege dieser Sammlung zu beauftragen. Eine frühe Schenkung von zehn Drucken der Künstlerin Mary Cassatt stammt von Ivins’ Freund Paul J. Sachs, dem Assistant Director des Fogg Museum an der Harvard University. (Sachs Bruder, mit dem Ivins ebenfalls befreundet war, übergab dem Museum sieben weitere Drucke.)  Durch eine Schenkung bzw. einen Kauf von  Junius Spencer Morgan, einem bekannten Dürer-Sammler, gelangten Kupferstiche, Holzschnitte und zwei Druckstöcke dieses bedeutenden Künstlers in die Sammlung. Zwischen 1949 und 1962 kaufte Mayor über 16.000 Kupferstiche, Holzschnitte und Schabkunstblätter von Franz Josef II., Fürst von und zu Liechtenstein. Die amerikanische Bildhauerin Bessie Potter Vonnoh übergab dem Met ihre gesamte Sammlung mit französischen und amerikanischen Postern aus den 1890er Jahren. Von Jefferson R. Burdick erhielt das Museum 300.000 Beispiele für Gebrauchsgraphik vom späten 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. 

Überblick über die Ausstellung
Gezeigt werden – ganz im Sinne von Ivins und Mayor – Werke auf Papier, die den Beginn des Informationszeitalters repräsentieren. Dabei werden Drucke als Funktionsobjekte verstanden, die einem immer größer werdenden Publikum als Informationsquelle dienten und einen Gesellschaftswandel reflektieren. Auch im Zeitalter der Digitalfotografie und des Internets haben Drucke eine hohe Bedeutung, weil die identischen, informationsbehafteten Bilder einem Massenmarkt als Quelle dienen und festlegen, wie wir Kunstwerke betrachten, interpretieren und uns mit ihnen auseinandersetzen.

Die Ausstellung ist in vier thematische und formale Abschnitte unterteilt. Im ersten Teil werden Geschmacksansichten im Hinblick auf Harris Brisbane Dicks Gründungsschenkung französischer, britischer und amerikanischer Radierungen beschrieben und es wird der Frage nachgegangen, inwiefern diese das Sammeln von Werken wie denen von Rembrandt und Goya beeinflussten. Im zweiten Teil sind die seit der Gründung der Sammlung erworbenen Kupferstiche mit Schwerpunkten auf Meistern der Renaissance wie Mantegna und Dürer zu sehen.  Im dritten Teil wird die Verwendung von Drucken zum Zweck der Wissensvermittlung gezeigt. Mehrere mit Holzschnitten illustrierte Rara werden ebenfalls zu sehen sein. Diese Bücher stehen für die frühesten Beispiele zu Themen wie Bekleidung, Anatomie und Architektur. Im vierten Teil sind schließlich Werke von Daumier, Toulouse-Lautrec und anderen Künstlern des 19. Jahrhunderts zu sehen, die mit ihren Lithografien zum ersten Mal einen echten Massenmarkt erreichten. Zur in diesem Teil gezeigten Auswahl gehören auch weit verbreitete Drucke und andere Beispiele für Gebrauchsgraphik vom späten 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert. 

Ausstellungsbeteiligte und Ausstellungskatalog
The Power of Prints: The Legacy of William M. Ivins and A. Hyatt Mayor wurde von Freyda Spira, Associate Curator der graphischen Sammlung (Department of Drawings and Prints) des Metropolitan Museum konzipiert. Das Ausstellungsdesign stammt von Zoe Alexandra Florence, Exhibition Designer, mit Grafiken von Ria Roberts, Graphic Designer. Für die Beleuchtung sind Clint Ross Coller und Richard Lichte, Lighting Design Managers, verantwortlich. Alle diese Mitwirkenden gehören dem Design Department des Museums an. 

Die Ausstellung wird von einem komplett illustrierten Katalog begleitet. Die Autoren sind Freyda Spira und Peter Parshall, der frühere Kurator und Leiter der graphischen Sammlung der National Gallery of Art, Washington, D.C. Der Ausstellungskatalog beschreibt das Leben und Schaffen von Ivins und Mayor sowie deren fundierter und beflissener Erwerb von Drucken, Fotografien und Bildbänden für das Metropolitan Museum. Im Katalog sind unter anderem die damals neuartigen Ausführungen von Ivins und Mayor zu Drucken enthalten. Der Museumskatalog wird verlegt vom Metropolitan Museum und vertrieben von der Yale University Press. Er wird in den Shops des Museums als Broschurausgabe zum Preis von 35 USD erhältlich sein. 

Der Katalog wird vom Drue E. Heinz Fund finanziert.

Begleitprogramm
Zum Begleitprogramm der Ausstellung gehören Führungen, ein Friday-Focus-Vortrag am 29. Januar, interaktive Gespräche in der Ausstellung und Kunstherstellung im Rahmen von MetFridays: Paper Power sowie ein Zeichenunterricht (Drop-in-Drawing) am 19. Februar und ein dreiteiliger Workshop zu Kaltnadelradierungen und Lithografien. Besucher mit Demenz und ihre Betreuer sind im Rahmen von Met Escapes am 24. Februar willkommen. Am 3. April findet Sunday at the Met statt und am 13. Februar die Führung Seeing Through Drawing für Blinde und Sehbehinderte.

Die Veranstaltung Sunday at the Met wird vom Pearl Ehrlich Fund finanziert. 

Weitere Informationen über die Ausstellung und das Begleitprogramm finden Sie auf der Website des Metropolitan Museum (www.metmuseum.org) sowie auf Facebook, Instagram und Twitter mit den Hashtags #PowerofPrints und #MetOnPaper100.

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21. Januar 2016


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